­

Forever mine – meine Liebe zu Instagram

Instagram - forever mine?Liebes Instagram,

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Mit meiner bekennenden Zuneigung zu Dir oder meiner Enttäuschung über die Entwicklung unserer Beziehung?

Als Du 2012 in mein Leben getreten bist, war es für mich Liebe auf den ersten Blick. Du warst jung (ok, das Alter tut nichts zur Sache, wenn man sich gut versteht) und neu und ungezähmt. Hast Dich nicht wirklich in eine der vielen Netzwerk-Schubladen stecken lassen. Es gab Dich nur als App und nicht als PC-Version. Fotos konnten nur vom Smartphone hochgeladen werden. Du warst für mich die ideale Plattform, um meiner Liebe zur Fotografie einen Platz zu geben, sie ein wenig öffentlicher zu machen. Damals wie heute kam es mir nicht darauf an, meine Fotos möglichst vielen Menschen zu zeigen, sondern einfach einen Raum zu haben, in dem ich meine Eindrücke und Schnappschüsse sammeln kann. Meine Herzensthemen finden dort statt – Mode, Beauty, Musik, Architektur, Natur, Design, Essen und Trinken und werden alle ausschließlich mit meinen Iphone fotografisch festgehalten und hochgeladen.

Ich bearbeite meine Fotos mal mehr, mal weniger – je nach Motiv und meinem Wunsch, das eine oder andere Foto zu verändern, pimpen oder ein bisschen glamouröser aussehen zu lassen.

Es kam, wie es kommen musste

Bald musste ich meine Liebe zu Dir mit einer immer größer werdenden Fangemeinde teilen. Je mehr Fans hinzukamen, desto mehr schwand Deine Unschuld und das Ungezähmte – eine Plattform zu sein, die anders sein möchte und sich nicht kommerzialisieren lässt. Die Verhäschtaggung nahm seinen Lauf. Immer mehr User luden nicht einfach nur mehr ihre Fotos hoch, sondern versahen die Bilder mit Schlagworten, um die Beiträge besser auffindbar zu machen und um ihre Fangemeinde wachsen zu lassen.  Das muss wohl auch zu dem Zeitpunkt gewesen sein, als Mark Zuckerberg beschloss, Dich für eine Milliarde Dollar zu kaufen, um Dir neue und weitere Funktionen hinzuzufügen. Unternehmen entdeckten Dich als ideales Netzwerk, um ihre Vermarktung durch Visual Storytelling mit Dir als Hauptperson voranzutreiben.

Stutzig wurde ich das erste Mal, als mir als Reaktion auf einen meiner Beiträge, ein „Nutzer“ unter dieses Foto schrieb, ich möge ihm doch folgen und könne sehr schnell an ganz viele Follower kommen. Kannst Du Dir vorstellen, wie empört ich war?! Mein Ziel war es nie, schnell und viele Follower zu generieren. Sondern einfach nur meine Schnappschüsse mit Dir (und meinen Followers) zu teilen. Dass dies kein Einzelfall blieb, sei nur am Rande erwähnt. Die Funktion, die Mark und seine Entwickler hinzufügten, war eine gute Entscheidung. Nämlich die Möglichkeit, Konten zu melden oder Benutzer zu sperren, wenn sie anstößige Inhalte oder Spam posten.

#NoFilter, #Filter und #Hashtagrecherchen

Immer mehr Unternehmen und Nutzer fanden Gefallen an Dir. Die Fotos, die bei Dir nach wie vor Gott sei Dank in ungefilterter Reihenfolge im Feed ausgespielt wurden und werden, haben oft nichts mehr mit Schnappschuss zu tun. Man merkt, dass sich der Nutzer sehr viel Gedanken um die Außenwirkung macht und das ein oder andere Mal ein #Filter zu viel drüberlegt. Im Laufe der Jahre nahm die Anzahl der #Hashtags unter den Beiträgen immer weiter zu. 30 sind maximal zugelassen, 15 werden empfohlen. Mittlerweile gibt es ganze Bücher über #Hashtagrecherche und die korrekte und erfolgsbringende Nutzung.

Mich stören vor allem die Fotos, die so gewollt unbearbeitet daherkommen und der Betrachter schon mit einem Auge sieht, wie viel Bildbearbeitung dahintersteckt. Ok. Ich muss solchen Leuten nicht folgen – Du hast recht.

Bitterer Beigeschmack, neue Chancen und eine Erkenntnis

Seit April 2015 gibt es nun bei Dir auch Anzeigen. Die Nutzer sehen Fotos und Videos in ihren Feeds, die freilich nicht so krachert daherkommen und sich unauffällig in die Neuigkeiten einreihen. „Toll umgesetzt“ schreit das Marketer-Herz. „Muss das sein?“ stellt der Privatmensch in mir sich die Frage. Klar muss das sein, denn eine Plattform, die so aufstrebend ist, ist irgendwann zum Kommerzialisierung freigegeben. Mark Z. wäre nicht so erfolgreich, wenn er es nicht verstünde, seine Netzwerke nach vorne zu bringen. Das kostet Geld, das am leichtesten durch Anzeigen wieder reingeholt wird.

Instagram_Logo_retro

Altes Retro-Logo von Instagram

Ach Instagram, der fotoaffine Privatmensch ist ein wenig traurig über Deine Entwicklung. Habe ich nun auch gesehen, dass Du Dein Logo – die Retrokamera – durch ein neues, modernes und buntes Design ersetzt hast. Linse und Sucher sind geblieben. Alles andere ist … sehr bunt. Aber bekanntlich sind die Geschmäcker ja verschieden. Ich bin ein wenig melancholisch, merkst Du es?

Ich habe mich durch die Verhäshtaggung ein wenig anstecken lassen. Solange ich ausschließlich einen Privataccount habe, werde ich aber eines sicherlich nicht tun: Mir Gedanken um Verschlagwortung und Follower-Aufbau als um die Motivauswahl zu machen. Ganz zu schweigen von der Hashtag-Recherche im Vorfeld.

Der professionelle Marketingblick sagt: Alles richtig gemacht. Natürlich freue ich mich als Foto-Fan, dass Deine Nutzerzahlen seit Monaten nur eine Richtung kennen: steil nach oben. Natürlich finde ich es toll, dass der Feed nach wie vor ungefiltert ist und keine Algorithmen vorgeben, was ausgespielt wird und was nicht. Mir gefallen die Möglichkeiten des visuellen Storytellings, die viele Unternehmen oder Personen des öffentlichen Lebens nutzen und auch wirklich gut umsetzen. Listen hierüber gibt es viele. Die kennst Du sicherlich, oder nicht?
Solange die Anzeigen so dezent ausgespielt werden und nicht nerven, ist das auch eine tolle Möglichkeit, sein Produkt zu vermarkten. Deine Schwester-Apps wie Layout, Boomerang und Hyperlapse machen das Instagram Kleeblatt perfekt.

Instagram_Logo_neu2016

Neues Logo von Instagram, Layout, Boomerang und Hyperlapse

Ich werde nach wie vor, wenn es zum Produkt passt, Dich meinen Kunden wärmstens empfehlen. Mein Herz schlägt nach wie vor für Dich, Instagram. Nur nicht mehr so aufgeregt und wild, sondern eher ein wenig gezähmt. Es bleibt die Erkenntnis, dass es naiv ist zu glauben, dass eine so zeitgemäße App wie Du, nicht irgendwann dem Reiz verfällt, doch ein bisschen Geld zu machen und sich die Reihe der Netzwerke einzufügen, die durch Werbung die Nutzerzahlen weiter nach oben steigen lässt. Die Frage ist, wie lange Dir das noch gelingt?

In tiefer Verehrung und bis zum nächsten Foto,

Deine

Vorname

Infos zur Verschlagwortung und zum Thema #Hashtag gibt es hier:

http://www.gruenderszene.de/allgemein/instagram-hashtags-buch

Haben Sie Ihr Herz auch an ein Netzwerk verloren? Vielleicht auch an Instagram? Wie empfinden Sie die Entwicklung der Plattform? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Gefällt Ihnen mein Brief? Dann dürfen Sie ihn gerne in Ihrem Netzwerk teilen – vielen Dank!

Von Alexandra Schrödel|12.05.2016|Alle Beiträge, Facebook & Co, Unter uns gesagt...|0 Kommentare

Über die Autorin Alexandra Schrödel

Alexandra Schrödel unterstützt mit Begeisterung, Kreativität und Kompetenz Selbstständige und inhabergeführte Unternehmen in Social Media- und Marketingfragen. Gerne auch Sie. Kontakt: Tel. +49 89 23510979

Einen Kommentar hinterlassen